Der Oktober ist pink: Fortschritte bei Brustkrebs
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Die Diagnose Brustkrebs macht vielen Frauen Angst. Doch moderne Diagnose- und Therapieverfahren haben die Heilungschancen verbessert. Auch Früherkennung und Vorsorge spielen eine wichtige Rolle.
10.09.2026
Text: Corina Wießler
Vor der Diagnose „Brustkrebs“ fürchten sich viele Frauen. Doch dank neuester Verfahren sind die Heilungschancen gestiegen. Der Brustkrebsmonat Oktober mit der rosa Schleife als Markenzeichen soll das Bewusstsein für Früherkennung und Erforschung der Krankheit stärken.
Fortschritte in Diagnostik und Therapie
Die Zahl macht Hoffnung: Mehr als 80 Prozent aller Brustkrebspatientinnen werden heute dauerhaft geheilt. Grund dafür sind Meilensteine in Diagnostik und Therapie. So verbessert die Tomosynthese – eine Weiterentwicklung der Mammografie mit bewegter Aufnahme – die Diagnose, da Ärztinnen und Ärzte die Brust Schicht für Schicht beurteilen können. Zudem zeigt eine deutsche Studie: Findet bereits die Erstbehandlung an einem zertifizierten Brustzentrum statt, steigt das Überleben um rund 23 Prozent. Dort besprechen interdisziplinäre Tumorboards – bestehend aus Fachleuten der Radiologie, Onkologie, Pathologie und Gynäkologie – jeden Fall einzeln, um die beste Behandlung festzulegen.
Diese Systemtherapie ist eine moderne, personalisierte Medizin, die direkt an den Wachstumssignalen des Tumors ansetzt. So befinden sich etwa bei hormonabhängigen Tumoren auf den Krebszellen Andockstellen (Rezeptoren) für Östrogen. Dockt körpereigenes Östrogen dort an, signalisiert es der Zelle, sich zu teilen und zu wachsen. Die Antihormontherapie (auch endokrine Therapie genannt) blockiert entweder diese Andockstellen oder unterdrückt die körpereigene Bildung von Östrogen, sodass die Krebszellen gewissermaßen verhungern müssen.
Moderne Therapien greifen Tumore gezielt an
Ein weiterer „Treibstoff“ für Tumorwachstum ist das Eiweißmolekül HER2 („Human Epidermal Growth Factor Receptor 2“/menschlicher epidermaler Wachstumsfaktor-Rezeptor 2), das auf der Oberfläche von Zellen sitzt. Bei manchen Brustkrebsformen liegt eine Genveränderung vor, durch die die Tumorzellen übermäßig viele dieser HER2-Rezeptoren bilden. Diese Rezeptoren senden kontinuierlich Signale ins Zellinnere, die das Wachstum und die Vermehrung der Krebszellen stark anregen. Zielgerichtet gegebene Antikörper besetzen diese Andockstellen. Das bekämpft den Krebs effektiv bei geringeren Nebenwirkungen.
Bei triple-negativen Tumoren – die weder Hormon- noch HER2-Rezeptoren aufweisen – kommen Immun-Checkpoint-Hemmer zum Einsatz: Sie aktivieren das körpereigene Immunsystem, damit es die Krebszellen selbstständig bekämpft.
Schonendere Behandlung bei Brustkrebs
Bei einer neoadjuvanten Chemotherapie erhält die Patientin bestimmte Medikamente vor der Operation, damit der Tumor kleiner wird. Dadurch fällt der Eingriff schonender aus, denn der Chirurg muss weniger Lymphknoten entfernen oder nur einen kleineren Teil der Brust. Die Therapie trägt also dazu bei, häufiger brusterhaltend operieren zu können.
Auch die Strahlentherapie ist dank präziser Schichtaufnahmen mithilfe Computertomografie exakter geworden. Ein noch schonenderes Verfahren ist das Atemgating: Dabei wird nur bestrahlt, wenn die Patientin einatmet. Ihre Lunge ist dann groß und ihr Herz weiter von der Brustwand entfernt.
Naturheilkundliche Begleitung am Robert Bosch Krankenhaus
Das Robert Bosch Krankenhaus (RBK) Stuttgart bietet eine naturheilkundliche Begleitung im Zuge der Integrativen Onkologie an. Im Zentrum steht die Mind-Body-Medizin (MBM), die das Zusammenspiel von Psyche, Körper und Verhalten nutzt. In einem elfwöchigen Kompaktprogramm werden Methoden zu Stressreduktion, Entspannung, Ernährung und Bewegung vermittelt. Ziel ist, den Lebensstil nachhaltig zu verändern, die Lebensqualität zu steigern und Therapienebenwirkungen wie Übelkeit oder Erschöpfung zu lindern. Die Kosten dafür übernimmt die Bosch BKK vollständig.
Risikofaktoren und familiäres Brustkrebsrisiko
Rund 25 Prozent aller Brustkrebsfälle gehen auf vermeidbare Risikofaktoren zurück – wie Übergewicht, Bewegungsmangel, regelmäßiger Alkoholkonsum und Rauchen.
Gibt es in der Familie gehäuft Fälle von Brust- oder Eierstockkrebs, kann ein vererbtes Risiko vorliegen. In diesem Fall hat die Bosch BKK ein besonderes Angebot: Unter bestimmten Voraussetzungen übernimmt sie die Kosten für eine genetische Beratung und Genanalyse zur Risikobestimmung in spezialisierten Zentren für familiären Brust- und Eierstockkrebs. Bestätigt sich das erhöhte Risiko, steht Betroffenen ein intensiviertes Früherkennungsprogramm zur Verfügung: Es umfasst regelmäßige Ultraschalluntersuchungen, Röntgenaufnahmen der Brust (Mammografie) sowie Magnetresonanztomografien (MRT).
Selbst abtasten und Vorsorge wahrnehmen
Jede Frau sollte einmal im Monat ihre Brüste selbst auf Veränderungen abtasten – am besten eine Woche nach Beginn der letzten Periode, da das Gewebe dann besonders weich ist. Wie das Abtasten funktioniert, zeigen zum Beispiel zahlreiche YouTube-Videos.
Frauen zwischen 50 und 75 Jahren haben gesetzlichen Anspruch auf eine Mammografie alle zwei Jahre. Sie müssen sich nicht selbst um einen Termin kümmern, sondern erhalten automatisch eine Einladung zur Untersuchung. Diese Methode ist derzeit die einzige wissenschaftlich anerkannte Methode, die sich großflächig zur effektiven Brustkrebs-Früherkennung bewährt hat.
Darüber hinaus gibt es „discovering hands“: Diese Methode nutzt den überdurchschnittlich geschulten Tastsinn blinder und sehbehinderter Frauen (Medizinisch-Taktile Untersucherinnen), um kleinste Gewebeveränderungen in der Brust frühzeitig zu ertasten. Für Versicherte der Bosch BKK mit einem erhöhten Risikoprofil – etwa durch familiäre Vorbelastung oder medizinische Indikationen – wird diese Untersuchung einmal pro Kalenderjahr als Extraleistung übernommen.


